Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags a. D.

Vortrag zum Thema: „Pflege und Unterstützung pflegender Angehöriger“

Mittwoch, 11. März 2020, Bayerischer Hof München

 

Das Peutinger-Collegium lud am Mittwoch, 11. März, zum Vortrag von Barbara Stamm in die Palaishalle im Bayerischen Hof ein. Andreas M. Harder, Co-Präsident des Peutinger-Collegiums, begrüßte die Anwesenden, bevor Christine Gärtner die Referentin vorstellte: Barbara Stamm gehörte von 1976 bis 2018 dem Bayerischen Landtag an; von 2008 bis 2018 war sie dessen Präsidentin. Für ihr ehrenamtliches Engagement in diversen Vereinen und Organisationen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Über eines der Themen, für die sie sich besonders einsetzt, informierte sie das Peutinger-Collegium in ihrem Vortrag.

Das Thema Pflege ist in ganz Deutschland hochaktuell

Die Themen Pflege und Unterstützung pflegender Angehöriger sind laut Barbara Stamm seit Jahren aktuell. Dies belegen auch die Zahlen der letzten Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes: Diese zählte im Jahr 2017 bundesweit rund 3,4 Mio. Menschen, die pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) sind. Davon werden 76 Prozent zu Hause versorgt, zu einem Großteil durch Angehörige. In Bayern gibt es rund 280.000 Pflegebedürftige, die ebenfalls überwiegend von Angehörigen gepflegt werden.

„Der Mensch ist die beste Medizin des Menschen“, zitierte Barbara Stamm ein afrikanisches Sprichwort. Gerade auch deshalb sei es so wichtig, die Pflege durch Angehörige intensiver zu unterstützen. Sie formuliert drei zentrale Forderungen: bessere Rahmenbedingungen, mehr Pflegepersonal und den Abbau von überflüssiger Bürokratie. Zu letzterem könnten laut Stamm unter anderem die Versicherungen – hierzu zählt sie die Pflegeversicherungen, die Krankenversicherungen und den Medizinischen Dienst – beitragen, indem sie bürokratische Hürden abbauen und Mittel leichter zugänglich machen.

Wertschätzung und Solidarität für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen

Der Mangel an Pflegepersonal ist ein weiterer Grund dafür, dass pflegende Angehörige unersetzlich sind. „Gute Rahmenbedingungen müssen die pflegenden Angehörigen entlasten“, fordert Stamm. Dazu gehöre beispielsweise der Ausbau der Kurzzeitpflege. Auch was die Attraktivität des Pflegeberufs angeht, sieht Stamm Handlungsbedarf. „Entscheidend ist auch die Wertschätzung, die die Gesellschaft den Menschen entgegenbringt, die im Pflegebereich tätig sind“, so Stamm. „Wir dürfen nicht über Kosten diskutieren, wenn es um die Würde der Menschen geht.“ Der Fokus müsse vielmehr darauf liegen, herauszufinden, was die Pflegebedürftigen und die pflegenden Angehörigen für ein würdevolles Leben benötigen. Gerade angesichts des aktuellen Bundesverfassungsgerichtsurteil, das das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe für verfassungswidrig erklärt hat, sei diese Frage von großer Bedeutung, sagte Stamm.

Pflegebedürftigkeit ändert ad hoc das gesamte Leben, unabhängig davon, ob man selbst pflegebedürftig wird oder einen Angehörigen – seien es die eigenen Eltern, ein Ehepartner oder ein krankes Kind – pflegt. In solch schwierigen Situationen leisten Selbsthilfegruppen und Vereine bereits einen großen Beitrag: Hier können sich pflegende Angehörige austauschen, hier werden sie verstanden und nehmen am gesellschaftlichen Leben teil. Doch Barbara Stamm erklärt, dass das allein nicht ausreicht:

„Die Sicherstellung einer guten Pflege betrifft die ganze Gesellschaft. Pflege darf nicht nur ein Thema sein für diejenigen, die es persönlich betrifft. Wir dürfen nicht vergessen, dass Solidarität eines der grundlegenden Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft ist.“

 

Podiumsdiskussion mit Brigitte Bührlen und Wilfried Mück

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Andreas Bachmeier, Präsidiumsmitglied des Peutinger-Collegiums, wurde das Thema weiter vertieft. An der Diskussion nahmen neben Barbara Stamm auch Brigitte Bührlen, Gründerin und Vorstandsvorsitzende der WIR! Stiftung pflegender Angehöriger, und Wilfried Mück, Verwaltungsdirektor des Landes-Caritasverbands Bayern, teil. Im Großen und Ganzen herrschte Einigkeit darüber, dass die Rahmenbedingungen für die Pflege und die pflegenden Angehörigen verbessert werden müssen. „Wir wollen uns umeinander kümmern, aber dafür muss die Politik einen geeigneten Rahmen schaffen“, sagte Brigitte Bührlen mit Blick auf heutige Familien, die häufig nicht mehr aus wohnortnahen Familienverbänden bestehen. Um für pflegende Angehörige eine „Lobby von unten“ zu schaffen und ihre Anliegen in der Politik zu platzieren, hat Bührlen die Stiftung WIR! gegründet.

Wilfried Mück sprach sich dafür aus, das Thema aus der Tabuzone zu holen. „Ausbildungen im Bereich der Pflege haben ein mieses Image“, so Mück. „Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft erkennt, wie wichtig Pflege ist.“ Wertschätzung und Anerkennung des Pflegepersonals sowie der pflegenden Angehörigen sind seiner Meinung nach essenziell für Verbesserungen in der Pflege.

 

Wir danken Frau Barbara Stamm für Ihren aufschlussreichen Vortrag. Ihr, Brigitte Bührlen und Wilfried Mück außerdem herzlichen Dank für die intensive Diskussion.




Bilder von Admin, Admin:

Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtags a. D.

Vortrag zum Thema: „Pflege und Unterstützung pflegender Angehöriger“

Mittwoch, 11. März 2020, Bayerischer Hof München

 

Das Peutinger-Collegium lud am Mittwoch, 11. März, zum Vortrag von Barbara Stamm in die Palaishalle im Bayerischen Hof ein. Andreas M. Harder, Co-Präsident des Peutinger-Collegiums, begrüßte die Anwesenden, bevor Christine Gärtner die Referentin vorstellte: Barbara Stamm gehörte von 1976 bis 2018 dem Bayerischen Landtag an; von 2008 bis 2018 war sie dessen Präsidentin. Für ihr ehrenamtliches Engagement in diversen Vereinen und Organisationen erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Über eines der Themen, für die sie sich besonders einsetzt, informierte sie das Peutinger-Collegium in ihrem Vortrag.

Das Thema Pflege ist in ganz Deutschland hochaktuell

Die Themen Pflege und Unterstützung pflegender Angehöriger sind laut Barbara Stamm seit Jahren aktuell. Dies belegen auch die Zahlen der letzten Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes: Diese zählte im Jahr 2017 bundesweit rund 3,4 Mio. Menschen, die pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) sind. Davon werden 76 Prozent zu Hause versorgt, zu einem Großteil durch Angehörige. In Bayern gibt es rund 280.000 Pflegebedürftige, die ebenfalls überwiegend von Angehörigen gepflegt werden.

„Der Mensch ist die beste Medizin des Menschen“, zitierte Barbara Stamm ein afrikanisches Sprichwort. Gerade auch deshalb sei es so wichtig, die Pflege durch Angehörige intensiver zu unterstützen. Sie formuliert drei zentrale Forderungen: bessere Rahmenbedingungen, mehr Pflegepersonal und den Abbau von überflüssiger Bürokratie. Zu letzterem könnten laut Stamm unter anderem die Versicherungen – hierzu zählt sie die Pflegeversicherungen, die Krankenversicherungen und den Medizinischen Dienst – beitragen, indem sie bürokratische Hürden abbauen und Mittel leichter zugänglich machen.

Wertschätzung und Solidarität für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen

Der Mangel an Pflegepersonal ist ein weiterer Grund dafür, dass pflegende Angehörige unersetzlich sind. „Gute Rahmenbedingungen müssen die pflegenden Angehörigen entlasten“, fordert Stamm. Dazu gehöre beispielsweise der Ausbau der Kurzzeitpflege. Auch was die Attraktivität des Pflegeberufs angeht, sieht Stamm Handlungsbedarf. „Entscheidend ist auch die Wertschätzung, die die Gesellschaft den Menschen entgegenbringt, die im Pflegebereich tätig sind“, so Stamm. „Wir dürfen nicht über Kosten diskutieren, wenn es um die Würde der Menschen geht.“ Der Fokus müsse vielmehr darauf liegen, herauszufinden, was die Pflegebedürftigen und die pflegenden Angehörigen für ein würdevolles Leben benötigen. Gerade angesichts des aktuellen Bundesverfassungsgerichtsurteil, das das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe für verfassungswidrig erklärt hat, sei diese Frage von großer Bedeutung, sagte Stamm.

Pflegebedürftigkeit ändert ad hoc das gesamte Leben, unabhängig davon, ob man selbst pflegebedürftig wird oder einen Angehörigen – seien es die eigenen Eltern, ein Ehepartner oder ein krankes Kind – pflegt. In solch schwierigen Situationen leisten Selbsthilfegruppen und Vereine bereits einen großen Beitrag: Hier können sich pflegende Angehörige austauschen, hier werden sie verstanden und nehmen am gesellschaftlichen Leben teil. Doch Barbara Stamm erklärt, dass das allein nicht ausreicht:

„Die Sicherstellung einer guten Pflege betrifft die ganze Gesellschaft. Pflege darf nicht nur ein Thema sein für diejenigen, die es persönlich betrifft. Wir dürfen nicht vergessen, dass Solidarität eines der grundlegenden Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft ist.“

 

Podiumsdiskussion mit Brigitte Bührlen und Wilfried Mück

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Andreas Bachmeier, Präsidiumsmitglied des Peutinger-Collegiums, wurde das Thema weiter vertieft. An der Diskussion nahmen neben Barbara Stamm auch Brigitte Bührlen, Gründerin und Vorstandsvorsitzende der WIR! Stiftung pflegender Angehöriger, und Wilfried Mück, Verwaltungsdirektor des Landes-Caritasverbands Bayern, teil. Im Großen und Ganzen herrschte Einigkeit darüber, dass die Rahmenbedingungen für die Pflege und die pflegenden Angehörigen verbessert werden müssen. „Wir wollen uns umeinander kümmern, aber dafür muss die Politik einen geeigneten Rahmen schaffen“, sagte Brigitte Bührlen mit Blick auf heutige Familien, die häufig nicht mehr aus wohnortnahen Familienverbänden bestehen. Um für pflegende Angehörige eine „Lobby von unten“ zu schaffen und ihre Anliegen in der Politik zu platzieren, hat Bührlen die Stiftung WIR! gegründet.

Wilfried Mück sprach sich dafür aus, das Thema aus der Tabuzone zu holen. „Ausbildungen im Bereich der Pflege haben ein mieses Image“, so Mück. „Ich wünsche mir, dass die Gesellschaft erkennt, wie wichtig Pflege ist.“ Wertschätzung und Anerkennung des Pflegepersonals sowie der pflegenden Angehörigen sind seiner Meinung nach essenziell für Verbesserungen in der Pflege.

 

Wir danken Frau Barbara Stamm für Ihren aufschlussreichen Vortrag. Ihr, Brigitte Bührlen und Wilfried Mück außerdem herzlichen Dank für die intensive Diskussion.