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Für die letzte Veranstaltung des Jahres 2018 des Peutinger Collegiums konnten die Jungen Peutinger den Unternehmer, Höhenbergsteiger und Autor Theo Fritsche gewinnen.

Im Rahmen eines Podiumsgesprächs berichtete Fritsche anschaulich und um keine Anekdote verlegen von seinen Reisen und Abenteuern, die ihn auf die höchsten Gipfel der Erde führen. Fritsche gehört zu den wenigen Menschen, die die Seven Summits – alle höchsten Berge der sieben Kontinente - bestiegen haben, und als erster und bisher einziger Mensch den sogenannten „Second Step“ am Gipfel des Mount Everests ohne zusätzlichen Sauerstoff „free solo“ meisterte.
Entsprechend eindrucksvoll waren die Bilder, die das Peutinger Collegium und Gäste zu Beginn der Veranstaltung im Hotel Bayerischer Hof auf zwei Leinwänden zu sehen bekamen. Im Anschluss stellte sich Theo Fritsche eine gute Stunde allen Fragen der Moderatorinnen und des Publikums – und gab eindrucksvolle Einblicke in sein ungewöhnliches und glückliches Leben. Im Folgenden eine Auswahl an Fragen und Antworten eines Gesprächs über harte Aufstiege, dünne Luft und sein Engagement in Nepal.

Lieber Theo, wie kamst du zum Extrembergsteigen?
Fritsche: Ich habe in den Alpen – vor allem im Voralberg, wo ich herkomme – begonnen, die steilen Wände zu besteigen. Irgendwann wurden mir die Berge dort aber zu klein und ich wollte in die höheren Berge. Zuerst in Südamerika und dann in anderen Teilen der Welt.

Wie aufwendig ist die Vorbereitung?
Als ich angefangen habe, in die höheren Berge zu gehen – etwa bei der Erstbesteigung in Tibet – war es deutlich schwieriger als heute. Damals gab es kein Internet und kaum Möglichkeiten, an verlässliche Informationen zu kommen. Um gesund zurück zu kommen, muss man sich allerdings entsprechend sportlich und mental vorbereiten.
 
Wie viel Zeit muss man für derlei Expeditionen einplanen?
Das kommt darauf an, wo es einen hinzieht. Beim Makalu, dem fünftgrößten Berg der Erde, war ich zum Beispiel neun Wochen unterwegs. Da dauerte der Weg zum Basecamp schon zwei Wochen. Es kommt insgesamt auf den Berg an und wieviel Erfahrung man mitbringt.

Was braucht man, um gesund wieder unten anzukommen?
Zum einen die Vorbereitung, zum anderen die nötige Ruhe. Wer sich selbst zu viel Druck macht, so einen Aufstieg zu meistern, der bekommt mitunter große Probleme. Als Bergsteiger muss man auch den Mut haben, umzukehren. Ich habe aber auch das große Glück, dass ich nicht von Sponsoren abhängig bin und nie Rechenschaft ablegen musste. Das half mir auch beim „Second Step“ auf dem Mount Everest.

Wie lange dauert es, bis man realisiert, dass man so eine große Herausforderung gemeistert hat?
Ich hatte nach dem „Second Step“ nie das Gefühl, ich hätte etwas Besonderes vollbracht. Ich hatte nie das Gefühl, ich sein ein Held, und war einfach froh, wieder gesund unten angekommen zu sein. Das stärkste Gefühl war ein ungeheurer Durst. Ich trank, als ich wieder unten war, bestimmt fünf Liter Tee. Dass ich an diesem Tag Geschichte geschrieben habe, das stellte sich ohnehin erst drei Jahre später heraus. Das ist aber auch nicht wichtig.

Wie setzt man sich neue Ziele, wenn eine Expedition weniger erfolgreich war, als man sie gerne abgeschlossen hätte? Wenn man zum Beispiel umkehren musste.
Wenn ich das Gefühl habe, dass ich etwas machen muss, dann ist der Ehrgeiz eigentlich schon zu groß. Man sollte eine Umkehr nicht als Niederlage betrachten, sondern schauen, welche neuen Erkenntnisse man gewonnen hat. Eine gewisse Gelassenheit ist einfach nötig, um derlei Expeditionen zu schaffen.

Was denkst du über den alpinen Massentourismus, gerade auch am Mount Everest?
Damit Touristen auf den Gipfel kommen, sind unzählige Sherpas im Einsatz. Den Touristen wird alles hochgetragen, vom Sauerstoff bis zum Rucksack und von hinten schiebt noch einer. Da kann man auch mit der Seilbahn auf die Zugspitze fahren und erzählen, man hätte die Zugspitze bestiegen. Was wir am Mount Everest erleben müssen, hat mit Bergsteigen nichts mehr zu tun. Mehr noch ist es fast eine Demütigung dem Berg gegenüber.

Das Vorwort Deines Buches trägt den Titel „Menschlichkeit führt ans Ziel“. Wie setzt du diese Leitlinie um?
Für mich ist Respekt ganz wichtig, vor der Natur und vor meinem Umfeld. Das habe ich sicherlich auch nicht immer so praktiziert, wie ich das heute tue, zum Beispiel meinen Lehrlingen gegenüber…; Konkret heißt das: Menschen machen Fehler und es ist in Ordnung, wenn sie Fehler machen, solange diese Fehler nicht immer wieder passieren. Es geht um Wertschätzung dem Umfeld gegenüber und gegenüber den Mitarbeitern. Teil dieser Wertschätzung ist auch das Wissen, dass wir nur gemeinsam stark sind.

Du warst an vielen schönen und beeindruckenden Orten dieser Welt, aber dein Herz hast du an Nepal verloren. Dort initiierst und leitest du Schul- und Hilfsprojekte. Was hat es damit auf sich?
Vor über 30 Jahren war ich das erste Mal in Nepal und über die Jahre immer wieder mit Trägern und Sherpas unterwegs. Dabei bemerkte ich unter anderem, dass viele Menschen in Nepal nicht Lesen und Schreiben können. Vor gut 20 Jahren habe ich dann die ersten kleineren Hilfsprojekte angestoßen. In der Zwischenzeit sind aber viele Projekte realisiert worden, auch größere; darunter neun Schulen, zwei Krankenhäuser, eine Technical-Akademie sowie eine Kaffee-Farm und vieles mehr. Mein großes Ziel ist es immer, Projekte umzusetzen, von denen man zunächst glaubt, sie seien dort gar nicht möglich. Ich bin heute drei bis vier Mal pro Jahr in Nepal, ansonsten kümmern sich gute Leute und ein Stellvertreter vor Ort darum, dass alles läuft.

Was motiviert dich, Gelder zu sammeln, Vorträge zu halten und die Menschen in Nepal zu unterstützen?
Die Nepalesen sind sehr liebe und wertschätzende Menschen und der Umgang mit ihnen macht mir große Freude. Diese Freude ist es, die mich motiviert. Und jedes Mal, wenn ich dort unten war, komme ich gestärkt zurück, und habe neue Ideen, welche Projekte man noch so anstoßen könnte.
 
Fritsche feiert im kommenden Jahr einen runden Geburtstag. Der sei, so der Voralberger, „aber sowas von unwichtig“. Statt sich also etwas zu wünschen, wie von einer der Moderatorinnen angeregt, richtete er lieber einen abschließenden Appell an das Peutinger Collegium und Gäste: „Geht respektvoll und wertschätzend miteinander um – und versucht harmonisch miteinander zu leben“, so Fritsche. Im April 2019 wird er erneut für sechs Wochen nach Nepal fliegen.

Vielen Dank an Herrn Theo Fritsche für seine offenen mitreißenden Worte.
Vielen Dank auch unseren Gästen für die Spenden in Höhe von insgesamt ca. 2000 Euro.