Der dänische Automobildesigner Anders Warming ist seit 1997 in der Automobil-Industrie tätig. In seiner Laufbahn war er in Chefdesigner-Positionen bei BMW, MINI und Borgward erfolgreich, und er eröffnet in diesem Frühjahr seine eigene Automobil-Design Firma “Warming Design".

Vor dem Vortrag begrüßte Andreas M. Harder, Co-Präsident des Peutinger-Collegiums, die Mitglieder und Gäste in den Räumlichkeiten von Donner & Reuschel. Ausdrücklich wurden zwei neue Mitglieder im Collegium willkommen geheißen. Der Begrüßung schloss sich Natalie Schmid an. Als Abteilungsdirektorin von Donner & Reuschel gab sie den Besuchern einen kurzen Einblick in die Geschichte des Gebäudes, in dem der Vortrag stattfand. Der Münchner Sitz der Privatbank wurde im 18. Jahrhundert von Martin Dülfer entworfen. Schmid wies auf die aufwendigen Verzierungen am und im Gebäude hin, die heute möglicherweise nicht mehr modern, für die Zukunft aber dennoch nicht wegzudenken seien.

Dass sich das Design der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft auswirkt, machte auch Anders Warming in seinem Vortrag deutlich. Warming, der schon als Kind Autos gemalt hat, erklärte, dass er historische Automobile zeichne, um ihre Gestalt zu studieren und daraus Inspiration für die Zukunft zu ziehen. Das Zeichnen von Hand ist ihm dabei besonders wichtig. „Ich glaube an die Handwerkskunst“, sagte er und präsentierte mit zahlreichen von ihm gezeichneten Skizzen und Gemälden eindrücklich sein künstlerisches Talent.

Wie leicht ihm das Skizzieren eines neuen Modells fällt, bewies Warming auch vor dem Peutinger-Collegium: Während er den Zuhörern beschreibt, wie er an einen neuen Entwurf herangeht, fertigt er auf einem Grafiktablet eine neue Skizze an. Auch wenn ihm das Zeichnen offensichtlich leicht von der Hand geht, stellt Warming klar: „Ein Auto entsteht nicht von heute auf morgen.“ In der Regel dauere es vier bis fünf Jahre, bis ein neues Design in Serie produziert werde. Am Anfang jedes Entwurfsprozesses steht laut Warming die weiße Leinwand – zusammen mit der Frage: Was kann man daraus machen? Sobald er das Briefing für ein neues Modell erhalten hat, setzt sich Warming direkt an die Arbeit. „In die ersten Entwürfe fließen meine Träume und Ideen. Aber ich behalte immer auch die Wünsche und Erwartungen der Kunden im Hinterkopf“, erklärt er. Denn letztlich müsse das neue Auto die Emotionen der Käufer ansprechen, ein Begehren auslösen und den Kaufanreiz setzen.

Warming beschreibt drei Phasen bei der Entwicklung eines neuen Designs: In der ersten Phase geht es um das Entdecken. Hier ist zunächst einmal alles möglich. Um sich inspirieren zu lassen, schaut sich Warming beispielsweise auch auf Möbel- und Konsumgütermessen um. Wenn er und sein Team sich schließlich für eine Designrichtung entscheiden, spielen auch Spontaneität und Bauchgefühl mit. In der zweiten Phase werden in Absprache mit dem Vorstand und allen am Projekt Beteiligten zwei bis drei Modelle in dieser Richtung im Detail skizziert. Dabei wird auch ein Kundenfeedback eingeholt, bevor die Wahl schließlich auf einen Entwurf fällt. Dieser wird in der dritten Phase optimiert und zur Serienreife gebracht. Dann gilt für Warming stets die Devise: keine weiteren Änderungen – denn sonst wäre der Prozess niemals abzuschließen.

Warming beschreibt seine Designs als traditionsverbunden, aber nicht langweilig. Zugleich seien sie zukunftsgewandt, aber nicht zu modern oder gar aggressiv. „Mein persönliches Ziel ist es, begehrliche, bemerkenswerte Fahrzeuge zu kreieren“, bringt Warming die Ausrichtung seiner Entwürfe auf den Punkt. Er behält die Geschichte einer Marke im Blick, betrachtet aber auch die Trends von Morgen. Faktoren wie Produktdesign und die Veränderung von Materialien spielen dabei eine Rolle, aber auch die zukünftig immer wichtiger werdende technische Verknüpfung. „Die größten Veränderungen im Innenraum eines Wagens werden in den nächsten Jahren durch zwei Faktoren hervorgerufen: das Raumerleben und die Konnektivität“, prognostiziert Warming. Er beweist dies anschaulich anhand von Skizzen und Konzeptautos verschiedener Hersteller: Die Innenräume muten geradezu futuristisch an, sie wirken wie Wohnzimmer, in denen das Lenkrad und die Armaturen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Die Zukunft des autonomen Fahrens malt Warming wie folgt aus: Das Auto wird sich immer mehr mit unserem Smartphone verknüpfen können, was dazu führt, dass es auch weiß, wann wir wo welchen Termin haben. Es wird den Besitzer selbstständig daran erinnern, indem es rechtzeitig vor der Tür steht. Dabei wird das Auto die aktuelle Fahrzeit aufgrund von Staus oder Baustellen im Blick haben, sodass der Fahrer nie wieder abgehetzt zu einem wichtigen Meeting erscheint.

In diesem Zusammenhang präsentiert Warming einige Konzeptautos, an deren Design er beteiligt war. Der BMW Gina ist außen komplett mit Stoff bezogen, was ein Beispiel dafür ist, wie mit neuen Materialien gearbeitet werden kann. Der Mini Vision Next 100 lässt erahnen, wie sich Mini die Fortschritte in Hinblick auf Konnektivität und autonomes Fahren vorstellt: Das Innere des Wagens ist aufgeräumt, bis auf einen Knopf sind alle Schalter verschwunden; die Steuerung funktioniert über Sprache und Gesten. Der Borgward Isabella Concept macht deutlich, was Warming unter der Verbindung von Vergangenheit und Zukunft versteht: „Diesen Hüftschwung hatte die Isabella auch schon in den 50er-Jahren“, beschreibt er das äußere Erscheinungsbild des Konzeptautos. Auch die Zweifarbigkeit der Karosserie ist an die Modelle der 50er-Jahre angelehnt. Trotzdem ist der Entwurf zukunftsweisend: Das Auto fährt elektrisch und hat ein neues Gesicht bekommen, denn der Grill ist verschwunden. Auch das Interior wirkt dank des modernen Raum- und Möbeldesigns futuristisch.

Zum Abschluss seines Vortrags fasste Warming die Punkte zusammen, die für ihn und seine Arbeit maßgebend sind: Er möchte schöne Autos designen, die ein „Gefühl von Habenwollen“ auslösen. Das Gesicht des Autos soll freundlich sein, nicht aggressiv. Die immer wichtiger werdende Technologie möchte Warming integrieren, ohne dass man sie sieht, das heißt, Knöpfe und freistehende Monitore versucht er verschwinden zu lassen. Was Warmings Designs auszeichnet – und das wurde auch während des Vortrags deutlich – ist sein Ziel, am Ende eines langwierigen Prozesses ein von Hand und mit Herz gestaltetes Produkt zu erhalten.

Herzlichen Dank an Herrn Anders Warming für den höchst kreativen und begeisternden Vortrag. Vielen Dank auch an unseren Sponsor - Donner & Reuschel - welche uns großzügig empfangen haben.

Herzliche Grüße

Andreas M. Harder                                                      Christian Geissler
Co-Präsident des Peutinger-Collegium e.V.                 Präsident des Peutinger-Collegium e.V.          




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Der dänische Automobildesigner Anders Warming ist seit 1997 in der Automobil-Industrie tätig. In seiner Laufbahn war er in Chefdesigner-Positionen bei BMW, MINI und Borgward erfolgreich, und er eröffnet in diesem Frühjahr seine eigene Automobil-Design Firma “Warming Design".

Vor dem Vortrag begrüßte Andreas M. Harder, Co-Präsident des Peutinger-Collegiums, die Mitglieder und Gäste in den Räumlichkeiten von Donner & Reuschel. Ausdrücklich wurden zwei neue Mitglieder im Collegium willkommen geheißen. Der Begrüßung schloss sich Natalie Schmid an. Als Abteilungsdirektorin von Donner & Reuschel gab sie den Besuchern einen kurzen Einblick in die Geschichte des Gebäudes, in dem der Vortrag stattfand. Der Münchner Sitz der Privatbank wurde im 18. Jahrhundert von Martin Dülfer entworfen. Schmid wies auf die aufwendigen Verzierungen am und im Gebäude hin, die heute möglicherweise nicht mehr modern, für die Zukunft aber dennoch nicht wegzudenken seien.

Dass sich das Design der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft auswirkt, machte auch Anders Warming in seinem Vortrag deutlich. Warming, der schon als Kind Autos gemalt hat, erklärte, dass er historische Automobile zeichne, um ihre Gestalt zu studieren und daraus Inspiration für die Zukunft zu ziehen. Das Zeichnen von Hand ist ihm dabei besonders wichtig. „Ich glaube an die Handwerkskunst“, sagte er und präsentierte mit zahlreichen von ihm gezeichneten Skizzen und Gemälden eindrücklich sein künstlerisches Talent.

Wie leicht ihm das Skizzieren eines neuen Modells fällt, bewies Warming auch vor dem Peutinger-Collegium: Während er den Zuhörern beschreibt, wie er an einen neuen Entwurf herangeht, fertigt er auf einem Grafiktablet eine neue Skizze an. Auch wenn ihm das Zeichnen offensichtlich leicht von der Hand geht, stellt Warming klar: „Ein Auto entsteht nicht von heute auf morgen.“ In der Regel dauere es vier bis fünf Jahre, bis ein neues Design in Serie produziert werde. Am Anfang jedes Entwurfsprozesses steht laut Warming die weiße Leinwand – zusammen mit der Frage: Was kann man daraus machen? Sobald er das Briefing für ein neues Modell erhalten hat, setzt sich Warming direkt an die Arbeit. „In die ersten Entwürfe fließen meine Träume und Ideen. Aber ich behalte immer auch die Wünsche und Erwartungen der Kunden im Hinterkopf“, erkl&a uml;rt er. Denn letztlich müsse das neue Auto die Emotionen der Käufer ansprechen, ein Begehren auslösen und den Kaufanreiz setzen.

Warming beschreibt drei Phasen bei der Entwicklung eines neuen Designs: In der ersten Phase geht es um das Entdecken. Hier ist zunächst einmal alles möglich. Um sich inspirieren zu lassen, schaut sich Warming beispielsweise auch auf Möbel- und Konsumgütermessen um. Wenn er und sein Team sich schließlich für eine Designrichtung entscheiden, spielen auch Spontaneität und Bauchgefühl mit. In der zweiten Phase werden in Absprache mit dem Vorstand und allen am Projekt Beteiligten zwei bis drei Modelle in dieser Richtung im Detail skizziert. Dabei wird auch ein Kundenfeedback eingeholt, bevor die Wahl schließlich auf einen Entwurf fällt. Dieser wird in der dritten Phase optimiert und zur Serienreife gebracht. Dann gilt für Warming stets die Devise: keine weiteren Änderungen – denn sonst wäre der Prozess niemals abzuschließen.

Warming beschreibt seine Designs als traditionsverbunden, aber nicht langweilig. Zugleich seien sie zukunftsgewandt, aber nicht zu modern oder gar aggressiv. „Mein persönliches Ziel ist es, begehrliche, bemerkenswerte Fahrzeuge zu kreieren“, bringt Warming die Ausrichtung seiner Entwürfe auf den Punkt. Er behält die Geschichte einer Marke im Blick, betrachtet aber auch die Trends von Morgen. Faktoren wie Produktdesign und die Veränderung von Materialien spielen dabei eine Rolle, aber auch die zukünftig immer wichtiger werdende technische Verknüpfung. „Die größten Veränderungen im Innenraum eines Wagens werden in den nächsten Jahren durch zwei Faktoren hervorgerufen: das Raumerleben und die Konnektivität“, prognostiziert Warming. Er beweist dies anschaulich anhand von Skizzen und Konzeptautos verschiedener Hersteller: Die Innenr äume muten geradezu futuristisch an, sie wirken wie Wohnzimmer, in denen das Lenkrad und die Armaturen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Die Zukunft des autonomen Fahrens malt Warming wie folgt aus: Das Auto wird sich immer mehr mit unserem Smartphone verknüpfen können, was dazu führt, dass es auch weiß, wann wir wo welchen Termin haben. Es wird den Besitzer selbstständig daran erinnern, indem es rechtzeitig vor der Tür steht. Dabei wird das Auto die aktuelle Fahrzeit aufgrund von Staus oder Baustellen im Blick haben, sodass der Fahrer nie wieder abgehetzt zu einem wichtigen Meeting erscheint.

In diesem Zusammenhang präsentiert Warming einige Konzeptautos, an deren Design er beteiligt war. Der BMW Gina ist außen komplett mit Stoff bezogen, was ein Beispiel dafür ist, wie mit neuen Materialien gearbeitet werden kann. Der Mini Vision Next 100 lässt erahnen, wie sich Mini die Fortschritte in Hinblick auf Konnektivität und autonomes Fahren vorstellt: Das Innere des Wagens ist aufgeräumt, bis auf einen Knopf sind alle Schalter verschwunden; die Steuerung funktioniert über Sprache und Gesten. Der Borgward Isabella Concept macht deutlich, was Warming unter der Verbindung von Vergangenheit und Zukunft versteht: „Diesen Hüftschwung hatte die Isabella auch schon in den 50er-Jahren“, beschreibt er das äußere Erscheinungsbild des Konzeptautos. Auch die Zweifarbigkeit der Karosserie ist an die Modelle der 50er-Jahre an gelehnt. Trotzdem ist der Entwurf zukunftsweisend: Das Auto fährt elektrisch und hat ein neues Gesicht bekommen, denn der Grill ist verschwunden. Auch das Interior wirkt dank des modernen Raum- und Möbeldesigns futuristisch.

Zum Abschluss seines Vortrags fasste Warming die Punkte zusammen, die für ihn und seine Arbeit maßgebend sind: Er möchte schöne Autos designen, die ein „Gefühl von Habenwollen“ auslösen. Das Gesicht des Autos soll freundlich sein, nicht aggressiv. Die immer wichtiger werdende Technologie möchte Warming integrieren, ohne dass man sie sieht, das heißt, Knöpfe und freistehende Monitore versucht er verschwinden zu lassen. Was Warmings Designs auszeichnet – und das wurde auch während des Vortrags deutlich – ist sein Ziel, am Ende eines langwierigen Prozesses ein von Hand und mit Herz gestaltetes Produkt zu erhalten.

Herzlichen Dank an Herrn Anders Warming für den höchst kreativen und begeisternden Vortrag. Vielen Dank auch an unseren Sponsor - Donner & Reuschel - welche uns großzügig empfangen haben.